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Biografie |
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FETISCH
(Text von Mary Noele Dupuis)
Wir
leben in einer Welt voller OBJEKTE, Gegenstände, Dinge die diese Welt
"machen" und von denen wir mitbestimmt werden. Gleichviel, ob
diese Objekte zum religiösen, sexuellen oder zum Register des Geldes
gehören. Mit anderen Worten, diese Objekte sind TAUSCHOBJEKTE, d. h.
Sie sind austauschbar. Diese Objekte sind LIEBES-OBJEKTE, Objekte des
Begehrens, Ursache des Begehrens.
MAN(N) IST WAS MAN HAT.
"Ich habe einen Mercedes", heißt ich bin schnell, unkaputtbar,
teuer, WERTVOLL ; ich habe Macht, bin also potent. Der Mercedes steht für
den FEHLENDEN Phallus. (Impotent sein und Mercedes fahren). Ein ursprünglich
nicht sexuelles Objekt erhält eine SEXUELLE BEDEUTUNG. Der FETISCH ist
das, was den Phallus symbolisiert. Er ist der Darsteller eines absoluten
Wertes, dessen Fehlen, dessen Mangel, dessen Verlust er symbolisiert:
gestohlene, verschobene, ver-rückte Bedeutung. Gleichgültig, ob es
sich dabei um den Geist eines Toten, den immateriellen Wert einer Ware,
oder die Liebe handelt; ein Objekt wird zum Fetisch, wenn man glaubt, daß
der Gegenstand von einem Geist animiert ist, d.h. die Bedeutung ist mit
der Magie, mit dem Religiösen, mit dem Heiligen verbunden.
Es hat die unverwandelbare Beharrungskraft der Fantasmen und kriegt die
feste Form eines BILDES. Der Fetisch verkörpert die Ursache des
Begehrens durch das Bilden einer materiellen Wirklichkeit des Fantasmas:
eine Geisterbeschwörung der Kastration: die Anerkennung der weiblichen
Kastration und gleichzeitig seine Verleugnung. Genau an diesem fehlenden
Platz, in dem Geheimnis seiner Mangelhaftigkeit, liegt seine
Symbol-Funktion.
Es ist genauso in seiner Lücke und seinem Fehlgriff, daß das Objekt
seinen Wert aufrichtet und daß die Kunst existiert: ein fantasmatischer
Blankoscheck auf den alle Macht, alle Begehren überwiesen werden können.
Die Fetisch-Verehrung macht sich auf eine Rückkehr der kindlichen
Fantasmen bei seinem Eintritt in die Sprache: Wiederholung eines
infantilen Genießen. Das Kunstwerk bedeutet diese Abwesenheit aus
welcher sie geschaffen ist: ein IMMATERIELLER und Absoluter Wert.
Dadurch wird der Künstler ein Absoluter des NICHTS zeigen. Fetisch und
Kunst heißt: verwandelt; aus dem Nichts schaffen. Dem "Da"
einen Wert geben.
A priori - ipso facto - ex nihilo. |