Albert Richter wurde 1912 geboren und wuchs in der Sömmeringstr. 72 in einem politisch geprägten Arbeitermilieu in Ehrenfeld auf. Nach dem Besuch der Volksschule in der Lindenbornstraße lernte er zunächst in der Kölner-Kunstfiguren-Fabrik in der Overbeckstraße, deren Inhaber Juden waren, das Figuristen-Handwerk, das auch sein Vater ausübte. Doch bald begann er zunächst heimlich auf dem Rennrad zu trainieren und fuhr, nachdem man schnell sein Talent entdeckt hatte, seit dem 16. Lebensjahr auch Rennen. Spätestens Anfang 1932 wurde er über die Grenzen der Stadt hinaus bekannt. Der Siegesflug des „Adlers" setzte mit dem Gewinn der Weitmeisterschaft bei den Amateurfliegem (Bahnradrennen) in Rom ein. Er wechselte bald ins Profilager und prägte mit 7 deutschen Meistertiteln und zahlreichen internationalen Erfolgen die Ära des Bahn-Radrennsportes in den 30er Jahren. Er wohnte aber, wenn er nicht Rennen im Ausland fuhr, weiterhin in Ehrenfeld und trainierte z.B. oft in der Rheinlandhalle.

Auch nach der sog. Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 hielt er treu zu seinem jüdischen Manager Ernst Berliner, obwohl die neuen Vorschriften Juden insoweit ausschlossen. Immer wieder verweigerte Albert Richter in der Öffentlichkeit bei offiziellen Anlässen demonstrativ provozierend den sog. Deutschen Gruß -1934 bei der WM führte dies zum Eklat. Insbesondere bei seinen Auslandsreisen machte er auch privat aus seiner offenen anti-nazistischen Haltung keinen Hehl. Auch nach der Flucht seines Managers Berliner nach Holland, ließ er sich weiter von ihm betreuen. Seine in Sportkreisen sehr ungewöhnliche Anti-Haltung dem NS-Regime gegenüber blieb diesem natürlich nicht verborgen. Wegen seiner überragenden sportlichen Erfolge wurde er aber wie Max Schmeling u.a. zunächst geduldet.
Bei Kriegsausbruch 1939 ist seine Aussage verbürgt, dass er am liebsten nach Frankreich auswandern wolle, weil er in nicht auf seine „Brüder" dort schießen wolle. Der Gedanke auszuwandern wurde immer klarer als die Gestapo ihn und seine Familie bedrängte und versuchte, Richter trotz seiner bekannten Gesinnung zur Spionage für das NS-Regime zu erpressen. Am 31. Dezember 1939 machte er sich mit 12.700 Reichsmark an Devisen, versteckt in Rennradreifen, auf den Weg in die Schweiz. Beim Grenzübergang Lörrach wird das Geld nach intensiver Suche vom Zoll entdeckt und Richter wird wegen Devisenschmuggels ins Grenzgefängnis gebracht, wo er unter mysteriösen Umständen im Alter von 27 Jahren in der Nacht vom 2. auf den 3. Januar 1939 ums Leben kommt. Es spricht eigentlich alles dafür, dass ihn die Gestapo nach Folterungen erschossen hat. Offiziell heißt es verhüllend, er habe Selbstmord verübt. 1966 stellte Ernst Berliner, der die NS-Verfolgung überlebt hatte, Strafanzeige wegen Mordverdachts. Das nur äußerst halbherzig durchgeführte Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft Lörrach brachte keine erhellenden Ergebnisse. Nach dem Krieg wurde Richter in einem Klima der Verdrängung der NS-Zeit und der erneuten Etablierung vieler in die Untaten des NS-Regimes verstrickter Sportler und Funktionäre (wie Carl Diehm) weder als NS-Opfer anerkannt noch rehabilitiert. Erst 1996 wurde sein Grab auf dem Ehrenfelder Friedhof städtisches Ehrengrab und an die neue Radrenn-Bahn in Müngersdorf, die seinen Namen trägt, wurde dann im September 1997 eine Bronzetafel angebracht mit der Inschrift „Gedenken an Albert Richter, Opfer nationalsozialistischer Unmenschlichkeit".