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Auch nach der sog.
Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 hielt er treu zu seinem
jüdischen Manager Ernst Berliner, obwohl die neuen Vorschriften Juden
insoweit ausschlossen. Immer wieder verweigerte Albert Richter in der
Öffentlichkeit bei offiziellen Anlässen demonstrativ provozierend den
sog. Deutschen Gruß -1934 bei der WM führte dies zum Eklat.
Insbesondere bei seinen Auslandsreisen machte er auch privat aus seiner
offenen anti-nazistischen Haltung keinen Hehl. Auch nach der Flucht
seines Managers Berliner nach Holland, ließ er sich weiter von ihm
betreuen. Seine in Sportkreisen sehr ungewöhnliche Anti-Haltung dem
NS-Regime gegenüber blieb diesem natürlich nicht verborgen. Wegen
seiner überragenden sportlichen Erfolge wurde er aber wie Max Schmeling
u.a. zunächst geduldet.
Bei Kriegsausbruch 1939 ist seine Aussage verbürgt, dass er am liebsten
nach Frankreich auswandern wolle, weil er in nicht auf seine „Brüder"
dort schießen wolle. Der Gedanke auszuwandern wurde immer klarer als
die Gestapo ihn und seine Familie bedrängte und versuchte, Richter
trotz seiner bekannten Gesinnung zur Spionage für das NS-Regime zu
erpressen. Am 31. Dezember 1939 machte er sich mit 12.700 Reichsmark an
Devisen, versteckt in Rennradreifen, auf den Weg in die Schweiz. Beim
Grenzübergang Lörrach wird das Geld nach intensiver Suche vom Zoll
entdeckt und Richter wird wegen Devisenschmuggels ins Grenzgefängnis
gebracht, wo er unter mysteriösen Umständen im Alter von 27 Jahren in
der Nacht vom 2. auf den 3. Januar 1939 ums Leben kommt. Es spricht
eigentlich alles dafür, dass ihn die Gestapo nach Folterungen
erschossen hat. Offiziell heißt es verhüllend, er habe Selbstmord
verübt. 1966 stellte Ernst Berliner, der die NS-Verfolgung überlebt
hatte, Strafanzeige wegen Mordverdachts. Das nur äußerst halbherzig
durchgeführte Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft Lörrach
brachte keine erhellenden Ergebnisse. Nach dem Krieg wurde Richter in
einem Klima der Verdrängung der NS-Zeit und der erneuten Etablierung
vieler in die Untaten des NS-Regimes verstrickter Sportler und
Funktionäre (wie Carl Diehm) weder als NS-Opfer anerkannt noch
rehabilitiert. Erst 1996 wurde sein Grab auf dem Ehrenfelder Friedhof
städtisches Ehrengrab und an die neue Radrenn-Bahn in Müngersdorf, die
seinen Namen trägt, wurde dann im September 1997 eine Bronzetafel
angebracht mit der Inschrift „Gedenken an Albert Richter, Opfer
nationalsozialistischer Unmenschlichkeit".
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