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Werner Neumann und Klaus Oetke kuratieren
eine Ausstellungstrilogie zu dem Themenkomplex TOD-RELIGION-EROTIK. Fast
jeder Künstler setzt sich im Laufe seiner Werkentwicklung mit diesen
Themen auseinander - oder zumindest mit einem von ihnen. Es sind mithin
zeitneutrale Themen, die in grundsätzlicher Weise Fragen nach der
menschlichen Existenz aufgreifen und damit einen gemeinsamen
künstlerischen Nenner für alle an der Projektreihe Beteiligten bieten.
Die erste Ausstellung dieses Zyklus zum Thema TOD findet unter dem Titel
SchmerzSchatten im November 2002 im Hochbunker in der Körnerstraße von
Köln-Ehrenfeld statt. In diesem Herbstmonat wird in unserem Kulturkreis
traditionell der Toten gedacht: Allerheiligen, Volkstrauertag und
Totensonntag sind Tage mit Friedhofsbesuchen und Kranzniederlegungen an
Denkmälern.
Veranstalter der Werkschau ist der Verein "Kultur Köln 30"
mit dem Kulturmanager Karl Heinz Marohn. 27 Kölner
Künstlerpersönlichkeiten setzen sich in den Medien Malerei, Zeichnung,
Installation, Fotografie und Performance mit der Themenvorgabe
auseinander: Augenstein, Demnig, Falck, Foster, Ebbers, Großmann,
Heiermann, Helten, Henning, Lambertin, Loh, Kampert, Manrique, Mess,
Montague, Müller, Neumann, Oberhäuser, Oetke, Parzival, Peretti,
Perez, Schüler, Roederer, Wittig und Zolper.
Der Ausstellungsort in der Körnerstraße ist mit einer historischen
Bürde belastet. Hier befand sich bis Ende der dreißiger Jahre des 20.
Jh. eine Synagoge, die von den Nazis zerstört wurde. Auf einem
Teilbereich des Grundstücks wurde im Zweiten Weltkrieg der Hochbunker
errichtet, der den Bewohnern der umliegenden Straßen bei
Bombenangriffen Schutz bieten sollte. Heute dient das Gebäude weiter
dem Zivilschutz und wird darüber hinaus für Ausstellungen genutzt.
Bei jener Kriegsgeneration dominierte die Konfrontation mit dem Tod den
Alltag. Gegen Ende des Krieges fanden die Fliegerangriffe in fast jeder
Nacht statt, und niemand konnte wissen, ob er beim nächsten Angriff
nicht unter rauchenden Trümmerbergen verschüttet wurde oder in den
Flammen brennender Häuser umkam. Die Druckwellen der Einschläge und
Explosionen ließen sogar die Wände der Bunker erzittern.
In anderer Weise war für die Maler früherer Epochen die Anschauung von
Tod und Sterben eine höchst vertraute Angelegenheit. Im Mittelalter lag
die durchschnittliche Lebenserwartung bei 35 Jahren. Krankheit und
Seuchen rafften viele in jungen Jahren dahin, hinzu kamen Hungersnöte
durch Missernten und in Zeiten kriegerischer Belagerung. Todesurteile
wurden öffentlich vollstreckt - zur Abschreckung. Die Kunstgeschichte
enthält eine Fülle von Allegorien und Parabeln auf den Tod: Albrecht
Dürers Kupferstich "Der Ritter, der Tod und der Teufel"
(1513) ist die wohl berühmteste. Eine eigene topologische Gattung
bilden in der altmeisterlichen Malerei die "Memento
mori"-Motive als Mahnungen an die Vergänglichkeit jeglichen Seins.
Die heutige zeitgenössische Künstlergeneration formuliert eine
Todessymbolik aus der eigenen Gegenwart, die ja durch ein immenses
Bedrohungsszenario geprägt ist: Atomare Verseuchung nach
Reaktorkatastrophen, AIDS, Einsatz von Massenvernichtungswaffen,
Terrorismus und andere Formen militanter Gewalt... In kaum einer
Nachrichtensendung fehlen Berichte über Unfälle und Attentate.
Der "natürliche Tod" hingegen wird aus unserem Alltag
ausgegrenzt - unsere Todeskultur ist eine solche der Verdrängung, die
das Sterben in die Spitäler und Pflegeheime verbannt. Und die
anschließende Totenruhe wird alsdann von einer auf
betriebswirtschaftliche Effizienz bedachten Friedhofsverwaltung
reguliert, die sich durch das durchlüftete "Turbo-Grab" eine
schnellere Verwesung und damit eine "Verkürzung der
Liegezeiten" im Familiengrab erhofft.
Jürgen Raap |