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>Rheinhold
Misselbeck über Sven Hoffmann
(Auszug aus dem
Katalog "Der kühle Blick der Leidenschaft"2001)
Die
große Kunst der Couturies besteht oftmals darin, Kleidung so
zuzuschneiden, dass umso mehr Neugierde auf das geweckt wird, was verhüllt
bleibt. Nicht selten verhält sich dann der Preis umgekehrt proportional
zur Menge des verwendeten Stoffs. Nylonstrümpfen ist dieses Prinzip
gleichsam immanent. Sie geben vor, ein Kleidungsstück für Frauenbeine
zu sein und legen doch kaum weniger offen, als sie verhüllen.
Mit dieser Eigenschaft sind sie der ideale Werkstoff für Sven Hoffmann,
dessen künstlerischer Werdegang sich stets auf der Balance zwischen
freier Bildgestaltung und wiedererkennbaren Wirklichkeitsfragmenten
entwickelte, mit welchen technischen Mitteln auch immer dies Ziel
erreicht werden konnte. Dabei gab es jedoch stets eine Konstante: das
abbildhafte Element mitfotografischen Mitteln zu erzeugen und dann eben
diesen identifizierbaren Wirklichkeitsabschnitt durch Manipulation im
Computer wieder soweit zu einer eigenständigen Form zu verhelfen, dass
der ursprünglich abgebildete Gegenstand nur noch vielfach gebrochen
erkennbar bleibt.
Zu Beginn der Moderne galten solche Methoden als Verfremdung. Die
Wirklichkeitserfahrung sollte aus ihren gewohnten Angeln gehoben werden,
um einen neuen, veränderten Blick zu ermöglichen. Wir alle erinnern
uns an ein Objekt von Marcel Duchamp "Das Rätsel des Isidor
Ducasse"... Die verhüllte und verschnürte Nähmaschine war trotz
der Verpackung noch erkennbar und präsentierte sich doch als rätselhaft.
Sie war ihrer Funktion beraubt und auf ihre Form reduziert...
Parallel entwickelte sich der Diskurs um die Welt der Bilder. Nicht mehr
die Objekte selbst, auch die Abbilder, die Kunst stand zur
Disposition....
Die Abbildfragmente definierten sich nicht kontextuell neu, sondern
verschwanden hinter einer Schicht von Malerei, wurden teilweise
ausgelöscht und durch Überzeichnung oder fotografische Veränderung
uminterpretiert.
Dies ist genau der Weg, den Sven Hoffmann bisher ging. Es besteht ein
gewisser Widerspruch zwischen den Bildern, die er im Kopf hat und denen,
die sein Fotoapparat einfängt. So versucht er beide Welten aneinander
anzunähern...
...Die Nylons Serie wirkt ... absolut fotografisch. Hier weißt Sven
Hoffmann auf die oben bereits genannten Eigenschaften dieses Materials,
zu verhüllen und doch gleichzeitig das Verhüllte preis zu geben, hin.
Allerdings kommt es dem Künstler auch darauf an, durch entsprechende
Bewegungen des darunter verborgenen Models, der Hände oder der Füße,
Neuartiges entstehen zu lassen....
Sven Hoffmann ist ein Spieler, der die vom ihm entwickelten technischen
Möglichkeiten nicht um ihrer selbst willen nutzt, sondern um sich ein
Universum zu schaffen, das in seiner Phantasie bereits existiert und
darauf wartet, in sichtbare Formen gegossen zu werden.. |